Die Kreuzzüge. Teil 1: Die Kreuzzüge als Heiliger Krieg

von Julian Voth

Urban II. in einer Darstellung aus dem 14. Jhd.Die Ursprünge der Kreuzzüge werden, nicht zu Unrecht, in den christlichen Wallfahrten zu Heiligen Stätten gesucht ­– Wallfahrten, die sich aufgrund der Feindschaften der islamischen Welt in organisierte Militärexpeditionen wandelten. Will man aber die Wurzeln und das Wesen der Kreuzzüge von Grund auf verstehen, muss man sich zuerst darüber im Klaren sein, wie die mittelalterliche Kirche den Waffengebrauch in ihrem Namen sittlich rechtfertigte und sie auf Zwecke ausrichtete, die sie gutheißen konnte.

Unter dem Pontifikat Urbans II. war einer dieser Zwecke die Eroberung der Heiligen Stätten, die der Papst mit denselben Ablässen versah wie die Pilgerfahrt nach Jerusalem, womit sie auf den Status einer Wallfahrt erhoben wurde. So rühmt der Kreuzzugshagiograph Fulcher von Chartres „die im Herrn hochberühmten Taten der Franken, die auf Gottes Anordnung mit Waffen nach Jerusalem gepilgert sind“ – cum armis Iherusalem peregrinati sunt.

 Das Wesen der Kreuzzüge wird vor allem durch die allgemeine Haltung der mittelalterlichen Kirche zum Krieg erklärt und bietet dergestalt einen grundlegenden Einblick in die christliche Kriegsethik. Ein Thema, das gleich aus mehreren Gründen aktuell ist. Zum einen Aufgrund der akuten Bedrohungslage, in der sich die Christenheit in Abend- und Morgenland befindet, als auch aufgrund der seit Jahrzehnten zunehmend ablehnenden Haltung der Amtskirchen gegenüber jeglichem Blutvergießen im Allgemeinen, die schließlich zuletzt sogar in einer Verurteilung der Todesstrafe kulminierte, und gegenüber dem Krieg im Speziellen.

 Man hört nicht selten, dass im Mittelalter das Konzept des „heiligen Krieges“ ersonnen wurde, das schließlich mit den Kreuzzügen zur Blüte kam. Denkt man an die christliche Religion, scheint es sich dabei um keinen glücklichen, vielmehr um einen paradoxen Begriff zu handeln. Der Krieg legt nahe, dass Menschen das Leben genommen wird, und zwar durch Gewalt, während die Heiligkeit des Evangeliums darin besteht, das eigene Lebe für andere hinzugeben. Wie können diese beiden Konzepte also miteinander in Einklang gebracht werden? Zu allem Übel wird der Begriff außerdem von Historikern für Unternehmungen verwendet, die keinesfalls als heilige Kriege gelten können. Jedoch ist es unstrittig, dass die Kirche des Mittelalters versuchte, und das mit einem gewissen Erfolg, die bemerkenswerteste, wenn nicht umstrittenste der weltlichen Berufungen zu purifizieren, zu rehabilitieren und zu christianisieren: die des Soldaten. Sie gestattete den Waffengebrauch in einem gewissen Rahmen. Sie empfahl ihn sogar dem Laienstand, als der Christenheit große Gefahren drohten, genau so, wie sie ihn dem geistlichen Stand verbot.

Wenn gewisse von der Kirche abgesegnete Militärunternehmungen „heilige Kriege“ genannt werden, ist dieser Begriff also statthaft. Nicht nur das, die „heiligen Kriege“ waren mit der Existenz und dem Überleben der vor-säkularisierten Christenheit innigst verwoben.

In der folgenden Artikelreihe werde ich etwas über die Geschichte der Kreuzzüge schreiben sowie auf den berühmten Text des hl. Bernhards über die zwei Schwerter eingehen. Auf diese Weise kann die Rolle des Papsttums in den militärischen Kampagnen der Kreuzzüge aufgeklärt und die Theologie dahinter anschaulich gemacht werden.

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