Dieses schreckliche Verbrechen

von Julian Voth

Hl. Papst Pius V.Das Schweigen des regierenden Pontifex gegenüber aktuellen Skandalen findet, so meint mancher Kleriker, seine Rechtfertigung. Äußert sich der Papst nun zu einzelnen Begebenheiten oder nicht, eine Reaktion jedoch darf keinesfalls ausbleiben. Doch freilich keine gegen den Rufer in der Wüste, Erzbischof Carlo Maria Viganò.

Sicherlich hat es Fälle schwerwiegender Verfehlungen durch Geistliche bereits in der Vergangenheit gegeben – nicht zuletzt in den Zeiten, in denen die Kirche einen besonders regen „Dialog“ mit der Welt führte, etwa in der Renaissance. Es fehlte aber nie an reformatorischen Kräften in der Kirche, um derlei Anstößigkeiten (wie gerade etwa im Fall des US-Kardinals Theodore McCarrick) zu bekämpfen und die Kirchendisziplin wiederherzustellen.

Wie es ein heiliger Papst von alters her hielt, mit welcher Strenge nicht gegenüber den Anklägern, sondern den Schuldigen vorgegangen wurde, macht ein Schreiben vom 30. August 1568, also vor genau 450 Jahren, deutlich. Pius V. spricht über die Homosexualität unter den Reihen des Klerus, die schließlich auch die Wurzel noch schwerwiegenderer Übergriffe ist. Das wäre in einer Neuauflage einmal eine wirksame Reaktion auf Missbrauchsskandale:

Dieses schreckliche Verbrechen, wegen dessen Obszönität und Perversion ganze Städte durch göttliches Urteil im Feuer zerstört wurden, bereitet Uns bitterstes Leiden, erschüttert Unseren Geist und treibt Uns an, solches Verbrechen mit größtmöglichen Eifer zu unterdrücken.

In angemessener Weise veröffentlichte das Fünfte Laterankonzil (1512-1517) folgendes Dekret: „Wird irgendein Mitglied des Klerus diesem widernatürlichen Laster überführt, wegen dem der Zorn Gottes über die Söhne der Niedertracht kam, soll er aus dem klerikalen Stand entlassen oder gezwungen werden, in einem Kloster Buße zu tun“ (Kap. 4, X, V, 31).

Damit das Kontagion eines solch schweren Vergehens nicht mit großer Verwegenheit voranschreiten kann, indem sie die Straflosigkeit, die der größte Anreiz zur Sünde ist, ausnutzt, müssen die Kleriker, die dieses schändlichen Verbrechens schuldig sind, umso schwerer bestraft werden, und diejenigen, die sich nicht vor dem Tod ihrer Seele fürchten, sollen, gemäß Unserer Bestimmung, der Gewalt der weltlichen Autorität übergeben werden, die das bürgerliche Recht durchsetzt.

 Deswegen wünschen Wir mit größerer Strenge, als wir seit dem Beginn unseres Pontifikates begannen, fortzufahren, und beschließen, dass jeder Priester oder Mitglied des Klerus, sei es ein Weltkleriker oder ein Ordensangehöriger, der sich eines solchen Verbrechens schuldig macht, kraft diesen Gesetzes jedes klerikalen Privilegs, jedes Postens, jeder Würde und jedes kirchlichen Benefiziums verlustig geht und, nachdem er von einem kirchlichen Richter seiner Würde enthoben wurde,  er unverzüglich der weltlichen Autorität übergeben werden soll, um getötet zu werden, wie es gesetzlich als passende Strafe für Laien, die in diesen Abgrund versanken, vorgeschrieben ist.“

 - Konstitution Horrendum illud scelus

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