Über schlechte Päpste

von Julian Voth

Kardinal CajetanIm letzten Blogbeitrag haben wir der Stimme des großen französischen Abtes von Solesmes gelauscht, der uns die Ursachen für den augenblicklichen Triumph des Islams erklärte. Ursachen, die sich der rein naturalistischen Anschauungsweise entziehen und erst im Lichtschein des Glaubens deutlich werden.

Ähnlich verhält es sich womöglich mit einem anderen Skandalon, das die Christenheit zu allem äußerem Übel anheim sucht: Das Ärgernis eines schlechten Papstes. Wir neigen gerne dazu, Schuld zu suchen bei gewissen Gründen. Die schlechte politische Weltanschauung, die falsche Philosophie, eine miserable Ausbildung im Glauben. Das mag auch alles stimmen. Aber vergessen wir doch nicht, daß wir hier von Zweitursachen sprechen, während uns und allen Gliedern der Kirche doch der direkte Weg zur Erstursache offen steht. Der Weg zu dem, der als einziger uns wirksam vom Übel eines unwürdigen Papstes entheben kann: zum Dreifaltigen Gott.

Lesen wir heute also einen kurzen Textauszug vom gefeierten Dominikanergelehrten, Kardinal Cajetan, über das erste und eigentliche Mittel gegen einen schlechten Papst:

 »Wenn also ein verstockter Papst erscheint, und seine Untergebenen, ohne ihre eigenen Laster aufzugeben, sich mit täglichem Murren ob der üblen Regierung begnügen – sie suchen nicht das Heilmittel des Gebetes, indes vielleicht als Träumer ohne Glauben ­– so wird die Weissagung der Schrift durch ihre Schuld eintreten, nämlich, daß durch die Sünden des Volkes ein Heuchler über sie regiert, heilig in Bezug auf sein Amt, aber ein Teufel im Herzen (…) Wir sind derart töricht geworden, daß wir uns gar weigern, zu beten wie es uns geziemt, während wir gleichzeitig die Früchte des Gebetes erlangen möchten – säen wollen wir nicht, doch wir wollen ernten. Laßt uns nicht länger Christen nennen! Oder wenn wir es tun, laßt uns an Christi Vorkehrungen halten; und der Papst, sei er wahnsinnig, rasend, ein tyrannischer Zerstörer, Ruinierer und Korrumpierer der Kirche, er wird überwunden werden. Aber wenn wir nicht wissen, wie wir uns selbst überwinden können, welches Recht haben wir, uns über die Übel um uns zu beschweren, wenn die Gebete nicht über unsere Dächer steigen, ja, wenn sie nicht einmal hoch bis zu unseren Häuptern gelangen? Und das Schlimmste von allem: Schon vor langer Zeit warf Gott seinem Volke vor, Ihn nur mit den Lippen zu ehren, während seine Herzen fern von Ihm sind; doch im Zeitalter der Offenbarung der Gnade wird Gott nicht einmal mit den Lippen geehrt, denn nichts ist unverständlicher als das Chorgebet, nichts schneller gelesen als die Messe; die Zeit, die wir mit diesen Dingen verbringen, scheint lang, aber wir finden genug Zeit zum Spiel, für das Geschäft und weltliches Vergnügen und vertrödeln unsere Zeit damit endlos.«

- De Comparatione Auctoritatis Papae et Concilii, cap. xxvii, n. 419f.

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